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21. Februar 2026

SCL gewinnt dank Krayem-Doppelschlag

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Der SC Langenthal schafft im ersten Spiel die Überraschung: In Saignelégier gewinnen sie in einem hart umkämpften Spiel mit 4:3 und schocken den Favoriten im ersten Viertelfinalspiel. Drei von vier Toren werden vom Bruderpaar Krayem erzielt.

Kurz vor der zweiten Pause, etwas mehr als zwei Minuten vorher, war plötzlich klar: Der SC Langenthal könnte womöglich den grossen Favoriten Franches-Montagnes stürzen. Gian Luca Balzer hatte soeben den Pfosten getroffen und unterstrich damit, was sich zuvor ein bisschen angedeutet hatte. Langenthal kreierte gute Chancen und schien phasenweise am Führungstor nah, oder vielleicht sogar näher. So hätte in Unterzahl auch Aron Krähenbühl (25.) dieses erzielen können, als er einen Fehler für einen Alleingang, aber ganz knapp nicht für das 2:1 nutzen konnte. Nach den letzten Auftritten der Langenthaler war aber eines deutlich: Die Oberaargauer zeigten sich wie der aus Sprichwörtern bekannte «umkehrte Handschuh» und machten im Jura ein wirklich gutes Spiel. «Wir wollten», kommentierte Yann Stöckli nach der Partie den Wandel. Auf diesen Wandel und auf seine Teamkollegen sei er stolz, meinte er weiter.
Die Leistung überraschte aber nicht nur wegen den letzten Partien, sondern auch nach den ersten fünf Minuten. Franches-Montagnes griff zu Beginn nämlich beeindruckend hartnäckig an, agierte körperbetont und war äusserst agil. Die ersten Torschüsse konnte ein starker Colin Stauffacher im SCL-Tor aber souverän parieren, sodass der SCL mit einem ebenso körperbetonten und schnellen Spiel immer mehr dafür tat, um die Partie ausgeglichen zu gestalten.

Konter sorgt für erste Überraschung
Und als Nils Wehrli (9.) das 1:0-Führungsstor schoss, gelang dem SCL schon eine erste Überraschung. Über die linke Seite wurde von Geburtstagskind Fabio Kläy ein Konter eingeleitet, der via Anton Ranov zu Wehrli fand, der im Slot mit einem Direktschuss erfolgreich abschloss. Ausgerechnet in Überzahl folgte dann aber der Ausgleich, weshalb dieser durchaus ärgerlich war. Im Aufbauspiel hatte David Burri die Scheibe gleich zwei Mal verloren, beim zweiten Mal profitierte letztlich Arnaud Schnegg, der mit einem satten Weitschuss ausglich. Dass danach die in dieser Liga gefürchteten Scorer um ebendiesen Ligatopscorer abtauchten, war auf die überzeugende Abwehrarbeit der Langenthaler zurückzuführen. Für Stöckli war klar: «Sie spielten wirklich hart und körperbetont. Aber wir können das auch.» Chancen blieben für Schnegg und seine ebenfalls treffsicheren Linienkollegen Nils Sejejs und Karim Bouchareb deshalb eher rar.
Beim Stand von 1:1 brauchte es für beide Seiten vermeintlich nur wenig, um die Partie auf die entsprechend eigene Seite ziehen zu können. Und im ersten Moment schien es, als würde eben dieses «Wenige» genügen. Nach einem Schuss von Karym Krayem misslang nämlich Hugo Cervinos Parade, sodass die Scheibe im Schneckentempo hinter ihm ins Tor kullerte. Aber irgendwann lag sie da. Und irgendwann – in der 44. Minute – lag dann Langenthal gar nicht so unverdient zum zweiten Mal in Führung. Die Lage täuschte aber: Das «Wenige» genügte nicht, mit diesem Tor wurde die Partie erst richtig lanciert. Franches Montagnes profitierte schliesslich von einem Ablenker von Michael Thomas (46.), der die Scheibe nach einem Schuss von David Beuret ins eigene Tor lenkte.

138 Sekunden, drei Tore
Mit diesem 2:2 überschlugen sich dann plötzlich die Ereignisse und tatsächlich entstanden innert 138 Sekunden drei Tore. Zuerst hatte der SCL noch Glück, als vor dem leeren SCL-Tor ein Stock brach und im Gegenzug Karym Krayem mit einem Weitschuss auf 3:2 stellte. Bruder Hassan Krayem doppelte dann kurze Zeit später nach, und baute mit dem 4:2 durch einen Weitschuss sechseinhalb Minuten vor Schluss sogar ein angenehmes Polster auf. Als dieses aber wegen einem Treffer von Karim Bouchareb wiederum bröckelte, trennte die beiden Mannschaften nach einem intensiven Fight in den Schlussminuten nur ein Torerfolg.
Mit zwei kleinen Bankstrafen hätte sich dann Franches-Montagnes eigentlich selbst um die Möglichkeit gebracht, den Ausgleich noch einmal anzustreben. Weil David Burri aber nach einem Fehler in der Offensivzone im eigenen Drittel eine Strafe nahm, wurde es zuletzt dann doch noch einmal spannend. Auch zu sechst sollte aber der dritte Ausgleich in dieser Partie nicht gelingen, sodass nach einem interessanten Auf- und Ab die Überraschung dann doch noch Tatsache wurde. Wie schon vor einem Jahr in Martigny gelingt dem SCL damit auch in Saignelégier ein erster Sieg im ersten Spiel. «Eine super gute Reaktion der Equipe», erklärte Stöckli zuletzt. Und diese setzt den in der Qualifikation zweitplatzierten Favoriten unter Druck.

Seitenblick – Seewen genügt ein Drei-Tore-Vorsprung
Der Qualifikationssieger kann sein erstes Playoff-Viertelfinalspiel gewinnen. Zu Hause gegen Wetzikon führt Seewen zwischenzeitlich 3:0, das genügt letztlich für den Sieg. Wetzikon kommt zwar auf 3:2 heran, schafft den Ausgleich aber nicht mehr. Das Duell zwischen Huttwil und Frauenfeld war bei Berichtabgabe noch nicht beendet (3:3-Zwischenstand), jenes zwischen Dübendorf und Thun hatte noch gar nicht begonnen. 

Text und Bild: Leroy Ryser

Telegramm:
HC Franches-Montagnes – SC Langenthal 3:4 (1:1, 0:0, 2:3)
Centre de loisirs, Saignelégier. – 805 Zuschauer. – SR: Truffer/Zbinden, Palmisano/Pasquier. – Tore: 9. Wehrli (Ranov, Kläy) 0:1. 14. Schnegg (Masini/Ausschluss Wälti!) 1:1. 44. K. Krayem (H. Krayem, Holstein) 1:2. 46. Beuret (Ren, Froidevaux) 2:2. 52. K. Krayem 2:3. 54. H. Krayem (K. Krayem, Holstein) 2:4. 55. Bouchareb (Loeffel, Schnegg) 3:4. – Strafen: 7mal 2 Minuten gegen Franches-Montagnes. 4mal 2 Minuten gegen Langenthal.
Franches-Montagnes: Cervino; Devesevre, Voirol; Meyrat, Girardin; M. Wälti, Helfer; Boukamel, Beuret; Sejejs, Schnegg, Bouchareb; Masini, Loeffel, Roberts; Brahier, Maillard, Beglieri; Froidevaux, Nappiot, Ren. 
Langenthal: Stauffacher; Thomas, Burri; Krähenbühl, Holstein; Moser, Perrenoud; Stöckli; H. Krayem, K. Krayem, Büttikofer; Schmid, Mojonnier, Liechti; Ranov, Balzer, Naber; Kläy, Wehrli.
Bemerkungen: Langenthal ohne Meinen, Käser, Schmied, Tassinari (alle Junioren/überzählig), Wyniger, Diezi, Jobin, Bandiera und Girardin (alle verletzt). 28. Lattenschuss Devesevre. 38. Pfostenschuss Balzer. 60. Time-Out Franches-Montagnes. 59:07-60:00 Franches-Montagnes ohne Cervino zu Gunsten eines sechsten Feldspielers. 

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