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8. Januar 2026

Anzeiger Sonderseite 08.01.2026

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Gebrüder Krayem sorgen für die Musik

Sie sorgen für die Musik beim SC Langenthal, die Gebrüder Hassan und Karym Krayem. Zusammen mit Stefan Diezi bilden sie eine schlagkräftige Sturmlinie, die den SCL im neuen Jahr in die Playoffs schiessen soll. Die beiden Gebrüder fallen aber nicht bloss auf dem Eisfeld auf, auch ihre Biografie ist speziell und nicht zuletzt die Rituale von Karym Krayem sind selbst im Sport nicht alltäglich…

«Wir waren von klein auf sehr aktiv und sportlich», sagt der 25-jährige Hassan Krayem und meint damit sich und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Karym. Die beiden wuchsen in Fischbach-Göslikon im Kanton Aargau auf. «Unsere Mutter wollte uns zum Fussball schicken», erzählt Karym Krayem. Weil beim FC das Aufnahmealter bei sechs Jahren lag, in der Hockeyschule jedoch Kinder ab drei Jahren mitwirken durften, landeten die beiden auf dem Eis und nicht auf dem Rasen.

Karym Krayem lacht bei diesen Erinnerungen, weil das nur die halbe Wahrheit ist, denn die beiden waren nicht bloss auf dem Eis aktiv, sondern probierten so ziemlich jeden Sport aus, den es gibt, spielten Tennis, Fussball, Basketball, Tischtennis, ja sogar Motocrossfahren gehörte dazu. Dabei entwickelten sie einen grossen Ehrgeiz. «Jeder wollte besser sein als der andere, weshalb es hin und wieder zu Raufereien zwischen uns kam», erinnert sich Karym Krayem, der überzeugt ist, dass dieser Ehrgeiz beide angetrieben und besser gemacht hat.

Doch am Ende blieben sie beim Eishockey, «weil es die schnellste und einfach die geilste Sportart ist», bemerkt Hassan Krayem. Das gilt übrigens auch für den dritten Krayem-Bruder, Noah, der 15-jährig ist und beim Nachwuchs der GCK Lions spielt. Ein Handicap hat die Wahl fürs Eishockey allerdings, denn ihr Vater kannte diese Sportart nicht, weil sie in seinem Land, dem Libanon, völlig unbekannt ist. Damit sind wir bei einer weiteren Besonderheit der Gebrüder, denn sie besitzen gleich drei Nationalitäten: Neben dem libanesischen Pass verfügen sie noch über den slowakischen (ihre Mutter ist Slowakin) sowie den Schweizer Pass (weil beide in der Schweiz geboren wurden).

«Wir sind Fans des SCL»
Via den Nachwuchs von Kloten, Bülach, Winterthur führte ihr Weg in die MyHockey League zu Arosa und vor zwei Jahren zum SC Langenthal. Spricht man die beiden auf ihre aktuelle Situation an, dann strahlen die beiden. «Wir sind Fans dieses Klubs, es macht enorm Spass hier zu spielen, vor den vielen Fans», sagt Hassan Krayem und sein Bruder Karym ergänzt: «Auch die grosse Erwartungshaltung rund um den Klub ist ungewöhnlich» erwähnt er, der momentan gesperrt ist und deshalb das letzte Heimspiel mitten in der Fankurve mitverfolgte. Als Druck empfinden die beiden diese Ausgangslage nicht, vielmehr als Ansporn.

Dass die beiden hier beim SC Langenthal zusammen in einer Linie spielen, empfinden sie als Privileg. Es sei immer ihr Traum gewesen, einmal gemeinsam in einer Linie spielen zu können, erwähnen die beiden. «Wir wissen beide, was wir vom anderen erwarten können», bemerkt Hassan Krayem. Und noch eine Gemeinsamkeit zeichnet die beiden aus: Beruflich haben sie die Ausbildung zum Kaufmann absolviert und arbeiten nun bei einem Finanzdienstleister in Zürich (Karym) sowie im Aussendienst bei einer IT-Firma (Hassan). Wohnhaft sind beide im Kanton Luzern, Karym wohnt in der Stadt Luzern, Hassan in Beromünster.

Doch hier enden die Gemeinsamkeiten, denn Karym Krayem hat von klein auf einen Hang zu besonderen Ritualen entwickelt. Er wisse selbst nicht mehr, wann dies genau angefangen habe, sagt Karym Krayem, aber auf einmal habe er begonnen, immer zuerst den rechten Schlittschuh zu binden. Das hat sich immer weiterentwickelt. Heute sind es ganz andere, sehr spezielle Rituale, beispielsweise, dass er vor jedem Spiel in der Dusche Schattenboxen absolviert und anschliessend kalt duscht oder auch mal bei einem Ausswärtsspiel in Seewen vor der Partie ein Bad im eiskalten Lauerzersee nimmt. Es kommen viele weitere Rituale hinzu, etwa, dass er nach dem Einlaufen als letzter das Eis verlässt. Bringen die Rituale nicht den gewünschten Erfolg, sprich verliert der SCL mehrmals hintereinander, kommen bei Karym Krayem neue Rituale hinzu. «Wenn im Sommer jeweils die Saison wieder beginnt, weiss ich manchmal selber nicht mehr, welche Rituale ich nun habe», erzählt er lachend.

Hassan nimmt diese Besonderheiten seines Bruders lächelnd zur Kenntnis und sagt: «Ich könnte das nicht, aber Karym hat schon als kleiner Bub solche Besonderheiten entwickelt und beispielsweise auf dem Schulhausplatz gesagt, er könne erst nach Hause, wenn er fünfmal hintereinander den Ball im Basketballkorb versenkt habe.» Was für ein schöner Schluss dieser aussergewöhnlichen Geschichte, wenn wir uns vorstellen, dass der SC Langenthal diese Saison die Playoffs erst beendet, wenn die Gebrüder Krayem fünfmal hintereinander den Puck im gegnerischen Tor untergebracht haben – es müsste am Ende zweifellos der Meistertitel herausschauen…

Text: Walter Ryser

Die letzten SCL-Qualifikationsheimspiele:
Mittwoch, 14. Januar, 19.45 Uhr SCL – Bülach
Mittwoch, 28. Januar, 19.45 Uhr SCL – Frauenfeld
Mittwoch, 4. Februar, 20.00 Uhr SCL – Wetzikon

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